Gewaltfreie Kommunikation in einfacher Sprache

Autorin: Karen Nimrich, OER Lizenz CC BY SA

Oft sprechen wir so miteinander, dass wir verletzt sind.

Manchmal sind wir nach Konflikten traurig oder wütend.

Die Gewaltfreie Kommunikation kann einem helfen, sich selbst und andere Menschen zu verstehen.

Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine Art, miteinander zu streiten, ohne sich weh zu tun.

 

Beobachtung

Wir sagen häufig das, was wir denken oder wie wir etwas bewerten.

Beispiel:

Das Zimmer sieht chaotisch aus.

oder

Hans ignoriert mich.

Wenn ich gewaltfrei sprechen möchte, sage ich das, was ich sehe oder höre.

Wie, wenn ich durch eine Kamera schaue.

Beispiel:

Der Papierkorb liegt auf dem Boden.

oder

Die Schublade der Kommode steht offen.

oder

Ich habe Hans „Hallo“ gesagt und ich habe keine Antwort gehört.

Wenn wir etwas auf diese Art formulieren, versteht der andere uns besser.

 

Gefühle

Gefühle sind was Wunderbares. Es ist wichtig, sie zu spüren und zu kennen.

Vor allem im Streit ist gut, wenn wir uns sagen, welche Gefühle wir haben.

Es gibt sehr viele Gefühle.

Traurig. Fröhlich. Müde. Träge. Ängstlich. Wütend. Sauer. Glücklich. Und noch viele mehr.

Unsere Gefühle zeigen uns, ob unsere Bedürfnisse erfüllt sind.

Das Verhalten von einem Menschen ist nicht der Grund für unsere Gefühle.

Wir sagen zum Beispiel: Ich bin wütend, weil Du die Spülmaschine nicht ausgeräumt hast.

Das stimmt nicht.

Die Ursache für mein Gefühl ist ein Bedürfnis.

Zum Beispiel: Ich bin wütend, weil mir Ordnung wichtig ist.

 

Bedürfnisse

Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Und wir haben alle die gleichen Bedürfnisse.

Bedürfnisse sind das, was der Mensch zum Leben braucht. Und auch zum glücklich sein.

Auf einer extra Liste findest Du viele Bedürfnisse.

Wenn Du etwas machst, dann machst Du das, um Dir ein Bedürfnis zu erfüllen.

Beispiel:

Wenn Du Dir etwas zu Essen holst, möchtest Du satt werden.

Das ist auch bei anderen Menschen so. Manchmal ist das schwer zu glauben. Ein Beispiel:

Wenn Franziska Sven schlägt, versucht Franziska sich ein Bedürfnis zu erfüllen.

Vielleicht wünscht sich Franziska „gesehen zu werden“ oder sie braucht „Aufmerksamkeit“ oder Verständnis. Vielleicht ist ihr auch Gerechtigkeit wichtig.

Jemanden zu schlagen, ist natürlich nicht gut. Da ist die Frage: Wie kann sich Franziska ihr Bedürfnis erfüllen, ohne Sven zu schlagen?

Es gibt immer viele Wege, sich ein Bedürfnis zu erfüllen.

Beispiel Entspannung:

  • Musik hören
  • Spazieren gehen
  • Lesen
  • Auf dem Bett liegen
  • Fahrrad fahren
  • Musik machen
  • In die Badewanne liegen
  • Und ganz viele andere Sachen

So ist das mit allen Bedürfnissen.

Wir brauchen also niemanden zu schlagen. Was könnte Franziska machen, wenn sie sich Verständnis wünscht?

  • Franziska sucht jemanden, der ihr zuhört
  • Franziska sucht jemanden, der sie versteht
  • Franziska sagt mit Worten, was sie stört

 

Bitte

Immer wieder brauchen oder wünschen wir uns etwas.

Vor allem dann, wenn ein Bedürfnis nicht erfüllt ist.

Dann können wir einen anderen Menschen bitten, etwas zu tun.

Beispiel:

Mein Nachbar hört laut Musik und ich möchte gerne schlafen.

Ich kann dann zu ihm hingehen und ihn bitten:

Könntest Du bitte so leise Musik hören, dass ich in meinem Zimmer nichts mehr höre?

oder

Würdest Du mir sagen, warum Du heute Morgen nicht „Hallo“ gesagt hast?

 

Gewaltfreie Kommunikation im Alltag

Wenn wir uns ärgern, kann die Gewaltfreie Kommunikation uns helfen, das einem Menschen zu sagen.

Dann können wir alle Schritte durchgehen. Also Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte.

Beispiel:

Heute Morgen habe ich Dich begrüßt und ich habe kein „Hallo“ von Dir gehört.

Da werde ich traurig, weil mir wichtig ist, dass ich wahrgenommen werde.

Würdest Du mir sagen, warum Du heute Morgen nicht „Hallo“ gesagt hast?

Anderes Beispiel:

Du kommst häufig sehr nah zu mir, obwohl ich Dich gebeten habe, Abstand zu halten.

Ich fühle mich da sehr unwohl, weil mir wichtig ist, zu entscheiden, wer so nahe bei mir stehen darf.

Könntest Du bitte so viel Abstand halten?

(„so viel“ mit den Händen zeigen. So viel, wie Du gerne möchtest.)

 

 

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